Die Fährtenarbeit, oder das Märchen von „getupft“ und „gespritzt“

Die Jagdsaison 2019 ist bald wieder in vollem Gange, und auch viele Hundeführer bereiten sich wieder auf die Brauchkarkeitsprüfungen vor. Und da ist sie wieder, die Hürde der Nachsucheprüfung. Wie richtig beginnen mit der Einarbeitung des Hundes? Hier gibt es erst zu klären, was will ich? Einen Hund, der zuverlässig jede Verwundfährte ausarbeitet, Schweiß und Wundbetten sicher anzeigt? Mit Ausdauer, Passion und Finderwille an die Arbeit geht? Schlichtweg einen Hund, der wirklich für die Jagd brauchbar ist? Oder einen Hund der ungewollter Weise zum Mantrailer ausgebildet wurde? Sich permanent an seinem Halter orientiert, anstatt die Fährte anzunehmen? Gar nicht weiß, was ein Wundbett ist, geschweige denn, wie es anzuzeigen oder zu verweisen ist? Einen Hund der die gängige Praxis der Brauchbarkeitsprüfung zwar besteht, das restliche Leben dann aber im Zwinger oder im Auto verbringt, weil er nichts brauchbares gelernt hat?

Um diese wichtigen Punkte zu klären müssen wir verstehen, was eine Fährte ist. Eine Fährte setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. In erster Linie ist es eine individuelle Bakterienbildung in einer Bodenverwundung, die durch das Auftreten des Wildes verursacht wird, und je nach Witterung nach ca. 4 Stunden entsteht. Dies ist natürlich sehr reduziert erklärt, genügt uns aber in diesem Zusammenhang.

Die gängige Ausbildungspraxis spielt sich wie folgt ab. Eine Person geht durch den Wald und tupft oder spritzt Blut (Schweiß) so munter vor sich hin, und da diese besagte Person nicht fliegen kann, hinterläßt sie mit jedem Schritt eine Bodenverwundung (in diesem Fall die eigentliche Fährte). Dann warten wir 4-8 Stunden und setzen unseren Hund am immaginären Anschuß und Beginn der Fährte an. Dumm nur, dass der Hund so eine gute Nase besitzt und gleich merkt, dass hier sein Herrchen, oder der nette Jagdhundeausbilder unterwegs war. Freudig wird nun die Fährte ausgearbeitet. Leider folgt der Hund jetzt der Menschenfährte, und es findet keine Verknüpfung zum Wild statt. Aber halt! Das mühsam gewonnene eingefrorene Rehblut (Schweiß) wird‘ s schon richten. Leider nein! Durch das Ausbringen von Unmengen an Schweiß, der die eigentliche Menschenfährte begleitet, aber so gar nicht zur Bodenverwundung passt, wird der Hund nur an diese Kombination gewöhnt (Habituation). Das Blut ist also immer präsent, also nichts mehr besonderes. Wie will ich dem Hund später erklären, dass er genau dieses anzeigen und verweisen soll? So wird beim Hund mit jeder neuen Übungsfährte eine Fehlverknüpfung Menschenfährte / Wildblut hergestellt und verstärkt. In der Praxis führt diese Art zu keinem brauchbaren Resultat. Fahriges annehmen der Wundfährte, unkonzentriertes suchen und Annehmen von Verleitfährten sind oft das Ergebnis. Dann ist der Hund Schuld, und den Rest kennen wir ja.

Die Alternative zur herkömmlichen Ausbildung bietet der Fährtenschuh. Der Fährtenschuh besitzt eine Vorrichtung, an der Echtwildläufe befestigt werden. Bei der Bodenverwundung wird dabei der Echtwildlauf in den Boden gepresst, und hinterläßt den gewünschten „Wildgeruch“. Dadurch entsteht beim Hund die Verknüpfung zwischen Fährte und Wild. Der Schweiß wird nur noch an künstlichen Wundbetten ausgebracht, an denen der Hund das verwesen erlernen soll. Die Einarbeitung mit dem Fährtenschuh gestaltet sich natürlich viel schwieriger, und erfordert vom Trainer ein viel größeres Hintergrundwissen. Die richtige Anlage der Fährte ist zeitaufwendiger, kommt der Realität aber deutlich näher, und vermeidet fatale Fehlverknüpfungen. Hat der Hund die richtigen Schlüsse gezogen, ist es völlig egal auf welche Fährte er angesetzt wird. Ob Rehwild, Schwarz- oder Rotwild, er wird sie alle annehmen. Nicht umsonst wird der Fährtenschuh von nahmhaften Nachsuchegespannen als Ausbildungsmethode favorisiert.

ausbildung eines jungen hundes auf dem jagdparcour

Mit wieviel Passion der Hund arbeitet, ist natürlich noch von Rasse, dem Trainingszustand und der Erfahrung abhängig. Aber hier zeigt sich, dass nicht nur Schweißhunderassen zu vernünftigen Nachsuchehunde ausgebildet werden können. Dann bekommt der gängige Spruch „Jagd ohne Hund ist Schund“ wieder den Stellenwert, den er in der Jagd spielen könnte.

Ich hoffe ich konnte euch zum Nachdenken animieren, und den ein oder anderen für diese spannende und erfolgreiche Ausbildungmethode gewinnen. Bei tiefgehenderen Fragen wendet euch an meine Jagdhundeschule www.hundeservice-petermueller.de.

Das diesjährige Seminar „Schweißfährte“ findet am 21.+22. September 2019 im Ausbildungsrevier Gößweinstein statt. Anmeldungen z.B. per email über info@hundeservice-petermueller.de oder persönlich unter 0178 / 561 2699.

Alles Nötige zur Fährtenarbeit findet Ihr auch im Shop unter der Kategorie „Fährtenarbeit und Nachsuche“.

Aber auch in diesem tollen Arbeitsbereich der Jagdhundeausbildung gilt: „Ohne Fleiß kein Preis“! Es liegt an euch, ob ihr eurem Hund die jagdlichen Anforderungen sinnvoll vermittelt, oder an Althergebrachtem festhaltet.

Waidmannsheil und ein erfolgreiche Jagdsaison !

Euer Peter Müller

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